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	<title>Karl Feldmeyer</title>
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	<pubDate>Fri, 26 Mar 2010 11:40:58 +0000</pubDate>
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		<title>Das Märchen von der Eisernen Kanzlerin</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Mar 2010 11:37:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Donnerstag konnte man Angela  Merkel in der &#8220;Bild-Zeitung&#8221; als  &#8220;Eiserne Bundeskanzlerin&#8221; bestaunen.  &#8220;Bild&#8221; hatte dem Hamburger Denkmal des &#8220;Eisernen&#8221; Kanzlers Otto von  Bismarck schnell mal Angela Merkels Kopf verpasst. Tags darauf   verkaufte Merkel in Brüssel einen Kompromiss,  als ihren Erfolg.
Richtig  ist: Merkel hat verhindert, dass Griechenland - so wie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Donnerstag konnte man Angela  Merkel in der &#8220;Bild-Zeitung&#8221; als  &#8220;Eiserne Bundeskanzlerin&#8221; bestaunen.  &#8220;Bild&#8221; hatte dem Hamburger Denkmal des &#8220;Eisernen&#8221; Kanzlers Otto von  Bismarck schnell mal Angela Merkels Kopf verpasst. Tags darauf   verkaufte Merkel in Brüssel einen Kompromiss,  als ihren Erfolg.</p>
<p>Richtig  ist: Merkel hat verhindert, dass Griechenland - so wie es sich das  wünschte - von der EU billige Kredite erhält. Statt dessen einigte man  sich in Brüssel darauf, die Griechen an den IWF, den Internationalen  Währungsfonds zu verweisen, der seine Kredite mit  Bedingungen  verbindet, die zwar unbequem sind, aber  zur wirtschaftlichen Gesundung  des Kreditnehmers führen. Zusätzliche Kredite der EU-Staaten kann  Griechenland jetzt nur &#8220;im äußersten Notfall&#8221; von den EU-Staaten  erhalten. Dieser &#8220;äußerste Notfall&#8221; hat  zwei Voraussetzungen: Erstens  muss Athen zuvor den IWF-Kredit in Anspruch genommen und sich damit den  harten Regeln zur Sanierung seines korrupten Staatswesens unterworfen  haben. Zweitens erhalten die Griechen nur dann zusätzliche Kredite von  den  EU-Staaten, wenn alle – also auch Deutschland – dem zustimmen.  Merkel behält also ein Veto-Recht.</p>
<p>Das mag für den Fall  Griechenlands hinnehmbar sein; zumal von einer  Insolvenz des Landes gar  keine Rede sein kann. Dass in der EU dennoch so große Aufregung  besteht, verrät, dass es bei den jetzt getroffenen Entscheidungen gar  nicht so sehr um Griechenland geht, sondern um das Prinzip. Und das ist  im EU-Vertrag von Maastricht festgelegt worden und lautet: Die  Euro-Währung dürfen  nur Staaten mit soliden Finanzen erhalten. Dazu  gehört, dass ihre Verschuldung unter 60 Prozent ihres  Bruttoinlandsproduktes liegt und damit allenfalls die Hälfte der  Verschuldung Griechenlands. Ihre  Kreditwürdigkeit bereitet ihnen daher  auch keine Probleme. Deshalb bestimmt der  Maastrichter Vertrag, dass  jedes Land für seine Schulden selbst aufzukommen hat.<br />
Jetzt aber hat  man sich in der EU auf Regeln darüber verständigt, wie zu verfahren  ist, wenn ein Euro-Land notleidend wird – was der Vertrag ausschließt.  Das gilt jetzt für Griechenland; morgen vermutlich für  Italien und  Portugal. Was man heute den Griechen gewährt, wird man aber morgen den  anderen nicht verweigern können. Damit ist der Weg zu einem weichen Euro  beschritten. Um dies zu verhindern, hätte die Kanzlerin wirklich  &#8220;eisern&#8221; sein und auf der Einhaltung des Maastrichter Vertrags ohne Wenn  und Aber  bestehen müssen – auch wenn dies zum Ausscheiden des einen  oder anderen Landes aus dem Euro führen sollte. Es wäre kein Verlust.   In Brüssel wurde dagegen der Bruch geltender Verträge und das Ende des  Euro als Hartwährung beschlossen. &#8220;Bild&#8217;s&#8221;  &#8220;Eiserne Kanzlerin&#8221; hat sich  als Fata Morgana erwiesen.</p>
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		<title>Der Euro und wir</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Mar 2010 11:36:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Griechenland ist nicht nur ein  Finanzdesaster. Es ist auch ein  Lehrstück,  dem wir wichtigste  Erkenntnisse entnehmen können: Erstens  über die Glaubwürdigkeit unserer  politischen Klasse; zweitens darüber,  wie diejenigen, die wir gewählt  haben, mit unseren Interessen umgehen.
Als mit dem Vertrag von  Maastricht die Grundlage für den Euro geschaffen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Griechenland ist nicht nur ein  Finanzdesaster. Es ist auch ein  Lehrstück,  dem wir wichtigste  Erkenntnisse entnehmen können: Erstens  über die Glaubwürdigkeit unserer  politischen Klasse; zweitens darüber,  wie diejenigen, die wir gewählt  haben, mit unseren Interessen umgehen.</p>
<p>Als mit dem Vertrag von  Maastricht die Grundlage für den Euro geschaffen wurde, stand ein  Prinzip an aller erster Stelle: Seine Stabilität. Der Euro, so  versicherten Kohl und Co., werde härter als  die D-Mark sein. Diese  Versicherung war wichtig, denn anders als die Parteien, wollte die  übergroße Mehrheit der Deutschen an der D-Mark festhalten. Sie war ihnen  Symbol ihrer überlegenen Leistungskraft und  ein Grund, stolz zu sein.<br />
Um  den Euro dauerhaft zu einer &#8220;harten&#8221; Währung zu machen, mussten sich  die Mitgliedsländer, auf eine Politik der Geldwertstabilität festlegen.  Dazu gehörte insbesondere die Verpflichtung, ihre jährliche  Neuverschuldung  unter drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu halten  und ihre Gesamtverschuldung unter 60 Prozent ihres Bruttoinlandprodukts.<br />
Darauf  schworen alle tausend Eide. Es waren Meineide. Fast alle Euro-Staaten –  auch Deutschland – haben diese Verschuldungsgrenzen längst  überschritten. Ihre Versprechen haben die Politiker gebrochen und das  würde sogar ignoriert, wenn  nicht &#8220;Griechenland&#8221; passiert wäre. Seine  Verschuldung ist so maßlos, dass die Finanzwelt Zweifel an seiner  Kreditwürdigkeit hat. Der Maastrichter Vertrag verbietet zwar  ausdrücklich, dass ein Euro-Staat für die Schulden eines anderen  aufkommen darf. Das heißt, Griechenland müsste, wenn es zahlungsunfähig  wird, aus dem Euro ausscheiden. Das zu verhindern ist den Politikern  aber wichtiger als die Einhaltung ihrer Versprechen und   des  Maastrichter Vertrags. Sie überlegen deshalb, wie sie –vertragwidrig-  mit dem Geld ihrer Steuerzahler nicht nur die Griechen  in der  Euro-Gemeinschaft halten können, sondern auch alle anderen  überschuldeten Euro-Länder. Italien, Spanien, Portugal und Irland stehen  schon auf der Kandidatenliste. Um Vorsorge für sie zu treffen, will die  Bundesregierung einen Europäischen Währungsfonds gründen, der  zuförderst mit deutschen Geld ausgestattet würde. Er wäre aber nur ein  Schritt hin zu einer europäischen Wirtschaftsregierung, die Zugriff auf  die deutschen Steuergelder hätte. Die Folge wäre ein Abbau unseres  Lebensstandards zugunsten derer, an die unser Geld verteilt würde.<br />
Das  weiß die politische Klasse genau. Trotzdem verfolg sie diese Politik.  Sie ist  nicht nur ein Wort- und Vertragsbruch. Sie ist ein Skandal, der  zeigt, dass für sie &#8220;Europa&#8221; Vorrang vor den  Interessen derer hat, die  sie gewählt haben.</p>
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		<title>London oder der Anfang vom Ende</title>
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		<pubDate>Sat, 30 Jan 2010 11:35:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Noch spricht es keiner offen aus –  insgeheim aber wissen es alle: Der  Westen hat den Glauben an seinen  Erfolg in Afghanistan verloren. Das Ergebnis der Londoner Konferenz hat  es einmal mehr bestätigt. Erklärtes Ziel aller Anstrengungen  ist  nunmehr die Vorbereitung des Abzugs der  Truppen  bis 2014, nicht mehr  der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Noch spricht es keiner offen aus –  insgeheim aber wissen es alle: Der  Westen hat den Glauben an seinen  Erfolg in Afghanistan verloren. Das Ergebnis der Londoner Konferenz hat  es einmal mehr bestätigt. Erklärtes Ziel aller Anstrengungen  ist  nunmehr die Vorbereitung des Abzugs der  Truppen  bis 2014, nicht mehr  der Sieg über die Taliban; von AlQaida und Osama Bin Ladin spricht  ohnehin seit langem niemand mehr, obwohl deren Terrorakte den  Afghanistan-Einsatz auslösten; nicht die Taliban.</p>
<p>Schon vor Beginn  der Konferenz war klar, dass die Nato-Partner Amerikas nicht bereit  sind, die 10 000 Soldaten zusätzlich nach Afghanistan zu schicken, um  die sie Präsident Obama als europäischen Beitrag zu der von ihm  beschlossenen &#8220;letzten Kraftanstrengung&#8221; gegen die Taliban gebeten  hatte.  Statt eines Beweises von Solidarität und Geschlossenheit bietet  die Nato nun ein Bild des Zerfalls. Italiener, Deutsche, Engländer,  Polen und Spanier entsenden zwar einige hundert Soldaten, aber weit  weniger als von Washington erbeten. Andere Partner wie Frankreich und  die Türkei verweigern jede Verstärkung.  Kanada und die Niederlande  bleiben sogar dabei, ihre Kontingente bis 2011 abzuziehen.<br />
Dieses  Gesamtbild wiegt  für die Nato schwerer, als die Lage in Afghanistan  selbst, denn die Behauptung, die Sicherheit der Bundesrepublik werde am  Hindukusch verteidigt, wird nicht dadurch richtiger, dass sie immer aufs  Neue wiederholt wird. In Afghanistan wird weder die Sicherheit der  Bundesrepublik noch die ihrer Verbündeten verteidigt. Eher trifft das  Gegenteil zu. Acht Jahre nach Beginn der  Intervention ist die  Sicherheitslage nicht nur in Afghanistan, sondern in der gesamten  Region, vor allem im benachbarten Pakistan fragiler geworden. Die  Stärkung des islamischen Fundamentalismus in Pakistan aber ist viel  gefährlicher, als alles, was in Afghanistan geschehen kann. Pakistan  ist  Atommacht und niemand kann ausschließen, dass bei einem Umsturz  pakistanische  Atomwaffen  in die Hände der Terroristen gelangen. Die  wirkliche Gefahr ist somit die mit der  Intervention der Nato in  Afghanistan verbundene Stärkung der Taliban; und zwar  sowohl in  Afghanistan als auch in Pakistan.</p>
<p>Aber nicht nur deshalb muss  sich der Westen heute eingestehen, dass er einen schweren Fehler beging,  als er die Bekämpfung von Bin Ladin und AlQaida auf die Taliban   ausdehnte. Wenn die Nato – so wie 1989 die  Sowjetunion – ohne Sieg   Afghanistan verlässt, wird sich die Frage nach der Zukunft  dieser  transatlantischen Allianz stellen. Ihr Bedeutungsverlust, gar ihr  Zerfall, aber wäre das Schlimmste, was Deutschland zustoßen könnte, denn  dann stellte sich die Sicherheitsfrage tatsächlich.</p>
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		<title>Das Schweigen der Kanzlerin</title>
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		<pubDate>Thu, 14 Jan 2010 11:34:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[So laut wie Angela Merkel schweigt,  kann niemand schreien. – vor allem die nicht, die immer wieder ihren  Wunsch nach einem &#8220;Machtwort&#8221; der Kanzlerin wiederholen. Dabei sagt ihr  Schweigen mehr, als es Worte könnten. Fragen wir systematisch: Was soll  der Inhalt dieses &#8220;Machtworts&#8221; sein? Dass die Kanzlerin die  in den  [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>So laut wie Angela Merkel schweigt,  kann niemand schreien. – vor allem die nicht, die immer wieder ihren  Wunsch nach einem &#8220;Machtwort&#8221; der Kanzlerin wiederholen. Dabei sagt ihr  Schweigen mehr, als es Worte könnten. Fragen wir systematisch: Was soll  der Inhalt dieses &#8220;Machtworts&#8221; sein? Dass die Kanzlerin die  in den  Koalitionsvertrag aufgenommene, aber bis auf weiteres wahnwitzige  Forderung nach einer großen Steuerreform und Steuersenkung bekräftigt –  oder im Gegenteil, dass es den Bruch der Koalitionsvereinbarung  aufkündigt?</p>
<p>Weder zum einen, noch zum anderen kann man ihr  raten.  Mitten im  nachrichtenarmen Januar wäre ein &#8220;Machtwort&#8221; der Kanzlerin  für die Journalisten natürlich gerade das Richtige – aber für sie  selbst? Warum sollte sie dem renitenten Koalitionspartner, dem es  derzeit  vor allem darum geht, die Schlagzeilen zu besetzen und dem  Vergessenwerden zu entgehen, dabei helfen sich in den Mittelpunkt der  Beachtung zu drängen? Dazu hat sie ebenso wenig Grund wie dazu, ihre  parteiinternen Kritikern aufzuwerten und ihnen  die Genugtuung  einer  Erwiderung zu verschaffen. Sie stehen alle bestenfalls  im zweiten Glied  der Parteihierarchie – und würden sie  sich nicht an der eigenen  Kanzlerin und Parteivorsitzenden reiben: Keiner von ihnen  hätte die  Chance, breiter öffentlicher  Beachtung. Was aber sagt es uns, daß sich  in der CDU  keine Stimme von politischem Gewicht der  ja tatsächlich  gravierenden Probleme der CDU öffentlich wahrnehmbar  annimmt? Es verrät  uns zum einen, dass Merkels Machtposition so stark in der CDU ist, dass  es niemand aus der Reihe hinter ihr für erfolgversprechend hält, ihr  als Kritiker entgegenzutreten. Zweites wirft es die Frage auf, was der  CDU denn noch an Politikern geblieben ist, die mehr können als nicken  und klatschen und die in der Lage wären, Grundsätze und Inhalte  überzeugend zu vertreten – wenn die Vorsitzende dies denn gestatten  würde.<br />
Nein, Angela Merkel hat recht: Ignorieren der Kritiker und   Verweigerung jeder inhaltlichen Debatte darüber, wo die CDU einst stand  und wo sie heute steht, ist das einzig Richtige, für eine Partei, deren  Standpunkt sich mit Ebbe und Flut der Politik bewegt und die ihre  Inhalte längst über Bord gekippt hat.</p>
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		<title>Ein schöner Dienstherr</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Dec 2009 11:33:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Innenpolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Es wirft ein bezeichnendes Licht auf  die Verhältnisse, die sich im Verteidigungsministerium in Folge des  Bombenangriffs auf zwei Tanklaster nahe Kunduz entwickelt haben. Welche  von beiden Behauptungen zutrifft, ist ungewiss. Es gilt, abzuwarten, was  der Untersuchungsausschuss des Bundestages zur Aufklärung dieses  Sachverhaltes beitragen kann.
So interessant dies unter politischen, vor allem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es wirft ein bezeichnendes Licht auf  die Verhältnisse, die sich im Verteidigungsministerium in Folge des  Bombenangriffs auf zwei Tanklaster nahe Kunduz entwickelt haben. Welche  von beiden Behauptungen zutrifft, ist ungewiss. Es gilt, abzuwarten, was  der Untersuchungsausschuss des Bundestages zur Aufklärung dieses  Sachverhaltes beitragen kann.</p>
<p>So interessant dies unter politischen, vor allem  personalpolitischen  Aspekten sein mag: Andere Aspekte von mindestens  ebenso großer Bedeutung liegen schon jetzt offen zu Tage: Der  Bombenangriff von Kunduz hat nicht nur Menschen getötet und Tankwagen  zerstört. Er hat viel Wichtigeres bewirkt. Im öffentlichen Bewusstsein  ist das Gespinst aus Lüge und Täuschung zerrissen, mit dem die  politische Klasse den Afghanistaneinsatz der Bundeswehr bisher zu  verhüllen versucht hat. Als sie 2001 deutsche Soldaten an den Hindukusch  schickten, bemühten sich Schröder und sein Außenminister  Fischer, der  Öffentlichkeit weiß zu machen, die Bundeswehr werde in Afghanistan  bewaffnete Entwicklungshilfe leisten und Kanzlerin Merkel machte es  ebenso.</p>
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		<title>Das Erdbeben</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Nov 2009 11:28:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Innenpolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Pünktlich zur Bundestagsdebatte über  die Verlängerung des Bundeswehrmandats für Afghanistan ließ &#8220;Bild&#8221; die  Bombe explodieren: Das Verteidigungsministerium hat dem neuen  Verteidigungsminister zu Guttenberg (und der Öffentlichkeit) die  Wahrheit über den Bombenangriff auf zwei Tanklastwagen nahe Kunduz am 4.  September verheimlicht.
Dabei waren  142 Menschen, darunter – wie sich nun  herausstellt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="nachrichtPageText">Pünktlich zur Bundestagsdebatte über  die Verlängerung des Bundeswehrmandats für Afghanistan ließ &#8220;Bild&#8221; die  Bombe explodieren: Das Verteidigungsministerium hat dem neuen  Verteidigungsminister zu Guttenberg (und der Öffentlichkeit) die  Wahrheit über den Bombenangriff auf zwei Tanklastwagen nahe Kunduz am 4.  September verheimlicht.</span></p>
<p>Dabei waren  142 Menschen, darunter – wie sich nun  herausstellt – viele Zivilisten getötet worden. Punktzielgenau  veröffentlichte das Blatt einen Geheimbericht der Bundeswehr und die  bislang geheimen Filmaufnahmen dieses Vorgangs, alles Unterlagen und  Informationen, die das Verteidigungsministerium dem neuen Minister  verschwieg, so dass zu  Guttenberg, wie er am Donnerstagmorgen vor dem  Bundestag erklärte, erst am Vortag, also unmittelbar vor der  Veröffentlichung, durch &#8220;Bild&#8221; erfahren hatte. Der Rücktritt des  Staatssekretärs Wichert und von Generalinspekteur Schneiderhan ist  zwingend- allerdings nur dann, wenn sie für die Unterdrückung dieses  Berichtes verantwortlich sind. Das freilich ist die Frage: Im Monat der  Bundestagswahl sind auch ganz andere Ursachen denkbar, nämlich  politische. Ihr Rücktritt ist aber nur  eine erste Reaktion auf diesen  Vorgang, den man nur als Ungeheuerlichkeit bezeichnen kann. Die Debatte  des Bundestages am Donnerstagmorgen zeigte, dass  weit schwerwiegendere  Schritte folgen dürften. Schon am Donnerstag richtete sich der Blick auf  den bisherigen Verteidigungsminister Jung, der starr auf der  Regierungsbank saß und sich weigerte, der Aufforderung  zu folgen, vor  den Abgeordneten selbst zu dem Vorgang Stellung zu nehmen. Dabei wird es  nicht bleiben. Die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses ist wieder  einmal notwendig und die SPD hat dies bereits angekündigt.</p>
<p>Das Verteidigungsministerium aber hat seinen alten Ruf wieder  einmal bestätigt, das gefährlichste Ressort der Bundesregierung zu sein –  sowohl für den Minister an seiner Spitze, als auch für die  Bundesregierung insgesamt. Noch sind die Weiterungen  nicht absehbar. Ob  sie sich auf die weitere Beteiligung der Bundeswehr am  Afghanistaneinsatz der Nato erstrecken werden, kann heute nicht  ausgeschlossen werden.</p>
<p>Der einzig erfreuliche Aspekt, der sich bei dieser Affäre bislang  erkennen lässt, ist die Reaktion von Verteidigungsminister zu Guttenberg  und sein Auftritt vor dem Bundestag am Donnerstagmorgen. Was er sagte,  spricht dafür, dass er an diesem schwerwiegenden Vertrauensbruch keinen  Anteil hat, sondern im Gegenteil in die Gefahr zu geraten drohte, selbst  zum Opfer zu werden. Wie er sich aus ihr befreite, spricht einmal mehr  für seinen Mut und seinen politischen Instinkt.</p>
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		<title>Von Guttenberg in neuer Verwendung</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Oct 2009 07:20:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Innenpolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[In dieser Woche findet im Verteidigungsministerium ein Wachwechsel statt: Auf Jung folgt von Guttenberg als Verteidigungsminister. Warum erhält ausgerechnet von Guttenberg dieses Amt, nachdem er es als Wirtschaftsminister in nur acht Monaten schaffte, an die Spitze der Popularitätsskala deutscher Politiker vorzustoßen?
Mit solchen Fragen begibt man sich in den Bereich der Spekulation, denn  ehrliche Antworten darauf, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="nachrichtPageText">In dieser Woche findet im Verteidigungsministerium ein Wachwechsel statt: Auf Jung folgt von Guttenberg als Verteidigungsminister. Warum erhält ausgerechnet von Guttenberg dieses Amt, nachdem er es als Wirtschaftsminister in nur acht Monaten schaffte, an die Spitze der Popularitätsskala deutscher Politiker vorzustoßen?<span id="more-152"></span></p>
<p>Mit solchen Fragen begibt man sich in den Bereich der Spekulation, denn  ehrliche Antworten darauf, welche Motive zu den  Personalentscheidungen in den Koalitionsverhandlungen führten, gibt es nicht. Was also könnte Merkel &amp; Co dazu veranlasst haben, den shooting star Guttenberg vom Wirtschafts- ins Verteidigungsministerium umzupflanzen? –</p>
<p>Ganz einfach: Seine Popularität. Sie erreichte in den letzten Monaten der Großen Koalition eine Dimension, die nicht nur unter den übrigen Nachwuchspolitikern der CSU insgeheim Unbehagen und Konkurrenzangst ausgelöst haben dürfte, sondern auch an der Spitze bei Seehofer und Merkel gemischte Gefühle geweckt haben könnte. Nicht, dass sie  mit seiner Versetzung ins Verteidigungsministerium seine Karriere beenden wollten; das nicht. Aber ihn ein wenig stutzen – das schon. Und welches Amt wäre dazu erfahrungsgemäß   besser geeignet, als das des Verteidigungsministers – keines. Blank, Strauß, von Hassel, Schröder, Leber, Apel, Wörner, Scholz, Stoltenberg – die Liste derer, die in diesem Amt stolperten oder ihre Karriere beendeten, ist lang. Grund genug für alle jene, die von Guttenbergs Popularität gerne gestutzt sähen, ihn in dieses Amt zu hieven.</p>
<p>Ob diese Rechnung aufgeht, bleibt freilich abzuwarten. Zudem könnten zumindest bei der Kanzlerin ganz andere Erwägungen eine Rolle gespielt haben. Von Guttenberg ist neben Merkel  das einzige Mitglied dieser Bundesregierung, das in Washington einen Namen hat. Er ist in Washington ein bekanntes Gesicht, bekennender Transatlatiker, der vor seiner Ernennung zum Wirtschaftsminister Obmann seiner Fraktion im Auswärtigen Ausschuß war  und der  über ein Netzwerk von  Beziehungen zum &#8220;hill&#8221;, also den Abgeordneten und Senatoren in Washington verfügt. Dass er englisch wie deutsch spricht, versteht sich bei ihm fast von selbst; schließlich hat er sich lange in Amerika aufgehalten und sich in seiner Dissertation mit der amerikanischen Verfassung befasst. Das sind beste Voraussetzungen dafür, in seinem neuen Amt Einfluß auf die deutsch-amerikanischen Beziehungen nehmen und die Sicherheitspolitik, die unter seinem Vorgänger Jung allein dem Auswärtigen Amt überlassen war, als Thema  besetzen zu können. Seit  Rühes Amtszeit als Verteidigungsminister  blieb der sicherheitspolitische Sachverstand des Verteidigungsministeriums nahezu ungenutzt. Dass er auf diesem Feld mit seiner Kanzlerin kooperieren und ihre Bemühungen ergänzen könnte, liegt ebenso auf der Hand wie das Interesse der Kanzlerin in der CSU-Spitze einen Verbündeten zu platzieren. Und ebenso offenkundig ist, dass dies dem neuen Aussenminister Westerwelle nicht gefallen dürfte.<br />
 Was also ist mit Guttenbergs Berufung in sein neues Amt an Absichten und Hintergedanken verbunden? Wir wissen es nicht und Spekulationen führen nicht weiter. Soviel aber lässt sich sagen: Wenn Guttenberg das Glück treu bleibt, kann er auch aus dieser Prüfung gestärkt hervorgehen.</p>
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		<title>Leipzig 1989:    Wie  aus Unterdrückten Helden wurden</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Oct 2009 13:04:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Heldentum – dieser Begriff ist aus unserem Sprachgebrauch so gut wie verschwunden. Viele empfinden den Begriff als geschwollen und als peinlich. Und doch gibt es das: Heldentum. Aber was sind Helden? - Helden sind Menschen, die ihre Angst überwinden und sich für eine gute Sache, für Gerechtigkeit, Freiheit und Menschenwürde in Gefahr  begeben, ja bereit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heldentum – dieser Begriff ist aus unserem Sprachgebrauch so gut wie verschwunden. Viele empfinden den Begriff als geschwollen und als peinlich. Und doch gibt es das: Heldentum. Aber was sind Helden? - Helden sind Menschen, die ihre Angst überwinden und sich für eine gute Sache, für Gerechtigkeit, Freiheit und Menschenwürde in Gefahr  begeben, ja bereit sind, sie auf sich zu ziehen, sich also absichtlich in Gefahr begeben.<span id="more-149"></span><br />
Ein eindrucksvolles Beispiel für Heldenmut boten die 70 000 Leipziger, die vor genau zwanzig Jahren – es war ein Montag – wieder auf die Straßen ihrer Stadt zogen, um gegen die rote Diktatur der SED und ihres Generalsekretärs Erich Honecker zu demonstrieren, so wie sie es eine Woche zuvor auch schon getan hatten. Zu Demonstrationen gegen den SED-Staat gehörte in der DDR immer Mut. Die Leipziger, die am 9. Oktober abermals auf die Strassen gingen, benötigten aber ein ganzes besonders großes Quantum Mut, mehr als die Demonstranten vorangegangener Demonstrationen. Sie hatten bereits eine Woche zuvor die Brutalität der &#8220;Staatsorgane&#8221;, der Volkspolizei, vor allem aber der Angehörigen des Staatssicherheitsdienstes, am eigenen Leib erfahren und fürchten gelernt. Dieses Mal, darüber waren sie sich im klaren, mussten sie damit rechnen, dass auf sie geschossen würde. Wer demonstrierte wusste am 9. Oktober 1989, welches Risiko er einging. Das macht die Größe des Mutes und der Entschlossenheit aus, die damals 70 000 Leipziger aufbrachten. Was das heißt, kann nur der ermessen, der sich selbst einmal in einer vergleichbaren Situationen befunden hat.<br />
Der Mehrzahl der Deutschen, die das Glück hatten, in der Bundesrepublik und nicht in der DDR heranzuwachsen, sind solche Erfahrungen  fremd. Vielleicht ist dies der wichtigste Grund dafür, weshalb die meisten von ihnen unfähig geblieben sind, mit den Demonstranten mitzuempfinden, sich in ihre Lage zu versetzen und ihr Handeln so zu würdigen, wie es denen gebührt, die zuerst &#8220;Wir sind das Volk&#8221; und dann &#8220;Wir sind ein Volk&#8221; skandierten und so den Sturz der Mauer und das Ende der SED-Diktatur erzwangen.</p>
<p>Die Westdeutschen und die Bundesregierung haben getan, was sie konnten: Sie gaben das Geld, das nötig war, um Städte und Dörfer, die vom Zerfall gekennzeichnet waren, neu erstehen zu lassen. Mit Investitionshilfen haben sie den Aufbau neuer Industrien ermöglicht. Auf 1,6 Billionen Euro – das sind eintausendsechshundert Milliarden Euro – beläuft sich der Gesamtbetrag, den die wieder vereinten Deutschen  seit 1990 für die Beseitigung der materiellen Schäden von Sozialismus und Diktatur aufgewandt haben. Dass davon der Löwenanteil aus der alten Bundesrepublik kam, liegt in der Natur der Sache. Das ist eine stolze Leistung. Gerade deshalb wird aber auch deutlich, was wir uns zur Vollendung der Einheit schuldig geblieben sind: Ein gemeinsames starkes erneuertes Nationalgefühl, das auf dem beruht, wozu die Deutschen in der damaligen DDR den Löwenanteil beigetragen haben: ein vereintes Deutschland das auf den Prinzipien des Rechtsstaats und der Demokratie fußt und  das ohne Blutvergießen entstanden ist. Wenn bis heute zwischen West und Ost in Deutschland dennoch ein Rest mentaler Fremdheit geblieben ist, dann liegt dies vor allem daran, dass wir uns nicht die Freiheit nahmen, uns zu  diesem Gefühl zu bekennen und es zu leben. Gewiss, auch die in vierzig Jahren gewachsenen unterschiedlichen Prägungen spielen dafür eine Rolle. Sie aber werden sich erledigen, denn seit 1989 haben wir einen wichtigen Verbündeten: die Zeit.</p>
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		<title>Aus dem Ruder gelaufen</title>
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		<pubDate>Fri, 02 Oct 2009 13:23:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Innenpolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Diese Woche hatte es in sich. Am Sonntag brachte CDU/CSU und FDP die ersehnte Mehrheit. Sie stellen die nächste Bundesregierung. Merkel ist und bleibt Kanzlerin und Außenminister wird wohl Guido Westerwelle. Aber nun, das dieses Ergebnis schon eine Woche alt ist, stellen wir fest, dass sich seine Begleiterscheinungen  möglicherweise  als wichtiger erweisen, als das Hauptereignis [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Diese Woche hatte es in sich. Am Sonntag brachte CDU/CSU und FDP die ersehnte Mehrheit. Sie stellen die nächste Bundesregierung. Merkel ist und bleibt Kanzlerin und Außenminister wird wohl Guido Westerwelle. Aber nun, das dieses Ergebnis schon eine Woche alt ist, stellen wir fest, dass sich seine Begleiterscheinungen  möglicherweise  als wichtiger erweisen, als das Hauptereignis selbst; auf längere Sicht zumindest. Denn so eindeutig das Wahlergebnis numerisch  ist – so verschwommen sind seine langfristigen Auswirkungen – noch. <span id="more-146"></span>Weiter lesen.<br />
Bislang kann man nur eines feststellen: Das Ergebnis ist aus dem Ruder gelaufen. Es hat nicht nur eine Mehrheit für Schwarz – Gelb gebracht; es hat die Statik des Parteiengefüges aus dem Lot gebracht. Nach dieser Wahl ist nichts mehr wie es war. Am deutlichsten haben dies SPD und FDP erfahren; die Freien Demokraten sind mit rund 14 Prozent so stark  – und die Sozialdemokraten so schwach wie nie zuvor seit 1949. Das 23-Prozent-Ergebnis hat aber nicht nur die SPD- Bundestagsfraktion verkleinert. Es hat die Partei in ihrem Kern getroffen, in ihrer Identität. Als die Katastrophe am Sonntagabend bekannt wurde, bekräftigte Müntefering noch seine Absicht,  abermals für den SPD-Vorsitz kandidieren zu wollen - und Steinmeier meldete seinen Anspruch an, sich am Dienstag zum Fraktionsvorsitzenden wählen zu lassen. Damit bekundeten beide ihren Willen, den von marktwirtschaftlicher Vernunft bestimmten Kurs der SPD im Kern beibehalten zu wollen. Als Steinmeier am Dienstag zum Fraktionsvorsitzenden gewählt wurde, war seine Entscheidung aber politisch bereits fragwürdig geworden, denn Müntefering hatte schon resigniert; Gabriel soll im November sein Nachfolger werden. Die an ihn gerichtete Erwartung ist klar: Er soll die Ära vergessen machen, die mit  den Begriffen Hartz IV und Agenda 2010 verbunden ist. Jetzt gilt das, was bisher geleugnet wurde: Die SPD sucht den Anschluss an &#8220;Die Linke&#8221; – mit allen Konsequenzen. Nur wohin sie führen – das ist noch offen.<br />
Offen aber ist auch die Zukunft von CDU und CSU. Die CDU stellt zwar weiter die Kanzlerin: Als Partei aber hat sie abermals Stimmen verloren und ihr schlechtestes Ergebnis seit 1949 eingefahren. Das ist der Preis für den Verzicht auf ihr früheres politisches Profil, den Merkel ihr auferlegt hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Trend anhält, ist allein schon durch den Zerfall der anderen bisherigen Volkspartei, der SPD, gegeben. Diese Gefahr schwebt auch über der CSU, für die einmal 62 Prozent der Wähler stimmten und die nun bei 42 Prozent gelandet ist. Gewiss, die FDP fängt den Einbruch der Union diesmal ab. Aber die Schieflage, der Volksparteien kann sie nicht korrigieren. Sie aber ist auf längere Sicht das wichtigste Ergebnis dieser Wahl.</p>
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		<title>Die gefährdete Achse</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Jul 2009 09:06:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Gut eine Woche lang hat das vorzeitige Ende der Großen Koalition in Schleswig-Holstein einen Spitzenplatz in den Nachrichten eingenommen. Nun, da der Landtag dem Wunsch  von Ministerpräsident Carstensen entsprochen, und  den Weg zu Neuwahlen  am 27. September zusammen mit der  Bundestagswahl freigegeben hat, dürfte sich das allgemeine Interesse schnell anderen Themen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gut eine Woche lang hat das vorzeitige Ende der Großen Koalition in Schleswig-Holstein einen Spitzenplatz in den Nachrichten eingenommen. Nun, da der Landtag dem Wunsch  von Ministerpräsident Carstensen entsprochen, und  den Weg zu Neuwahlen  am 27. September zusammen mit der  Bundestagswahl freigegeben hat, dürfte sich das allgemeine Interesse schnell anderen Themen zuwenden.<span id="more-143"></span></p>
<p> Ein Thema bleibt allerdings bis auf weiteres erhalten: Die Frage nach dem mutmaßlichen Abschneiden der Parteien im allgemeinen und dem der SPD im besonderen. Spekulationen und Befürchtungen gelten vor allem ihr. Kann sie ihren Stimmenanteil halten, oder wird er wie bei den vorangegangen Landtagswahlen weiter abschmelzen? Bei der letzten Landtagswahl waren von den mehr als 43 Prozent, mit denen sie Mitte der 90er Jahre das Land regieren konnte, noch gut 38 Prozentpunkte geblieben. Sollten sich die jüngsten Umfragen, in denen der SPD in Schleswig Holstein  gerade noch 24 Prozent zugebilligt werden, am 27. September bestätigen, dann wäre dies für sie  mehr als eine verlorene Wahl. Es wäre für absehbare Zeit der Verlust der Fähigkeit, das kleine Land zu regieren. Dieser Entwicklung sieht sich die SPD seit mehr als einem Jahrzehnt in immer mehr Ländern ausgesetzt. So hat die SPD seit 1994, also in den letzten 15 Jahren, in Niedersachsen 14 Prozentpunkte verloren, im Saarland gar 19, in Thüringen 15 und in Bayern zwölf. Im sächsischen Landtag ist ihr Anteil auf unter zehn Prozent gesunken und selbst in Brandenburg, wo sie regiert, ist sie von 54 auf 31,9 Prozent geschrumpft. Einzig in Rheinland-Pfalz, das zu Becks Hausmacht geworden ist, hat sie mit sechs Prozent deutlich hinzugewonnen und kann unangefochten regieren.</p>
<p> Wer glaubt, der CDU könne diese Entwicklung nur recht sein, irrt sich gewaltig. In diesen Zahlen spiegelt sich ein Niedergang der  SPD wider, der auf Dauer ihr Selbstverständnis  als Volkspartei  bedroht. Derzeit kann davon, zumindest auf Bundesebene, noch keine Rede sein. Davor haben Politiker wie Müntefering, Struck, Steinmeier und Steinbrück die SPD bislang bewahrt. Verschwänden sie aus ihrer Führungsriege, könnte sich die Frage freilich neu stellen.</p>
<p> Das aber würde nicht nur die SPD verändern, sondern mit großer Wahrscheinlichkeit auch die CDU. Beide Parteien sind in Inhalt wie Verhalten aufeinander abgestimmt wie die Widerlager einer Brücke. Sie funktionieren als politische Rivalen ebenso wie als Koalitionspartner. Entfiele die eine Partei, so wäre die andere ihr Opfer, denn gemeinsam bilden sie die politische Achse dieses Landes. Kein Zweifel: Beide wollen sie erhalten. Die Entscheidung darüber aber treffen die Wähler.</p>
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